Inspiration & Philanthropie

Social Entrepreneurs – eine Chance für eine nachhaltige Gesellschaft

Ein Gespräch mit Carmencita Nader, die Botschafterin und Themen-Patin des Projektes „Stiftungen als Akteure für Umwelt- und Klimaschutz“ ist.

Was Social Banking kann, wie es impactorientierte Gründer*innen unterstützt und welche Rolle Stiftungen einnehmen können, erzählt die versierte Leiterin des Social Banking der Erste Bank, Carmencita Nader im Gespräch mit Ursula Seethaler.

Zwei Frauen, die sich am Tisch sitzend unterhalten
(c) Hans Peter Heitzinger

Ursula Seethaler (US): Frau Carmencita Nader, Sie sind seit 2021 Leiterin des Social Bankings der Erste Bank sowie Botschafterin und Patin des Projektes „Stiftungen als Akteure für Umwelt- und Klimaschutz“. Es freut mich, dass Sie sich für unser Gespräch Zeit genommen haben.

Sie haben als Botschafterin zum Thema Philanthropie und Nachhaltige Mobilität das Projekt Eddi Bike ausgesucht. Wie sind Sie zu dem Thema gekommen?

Wir begleiten im Social Banking ein sehr breites Spektrum an impactgetriebenen Organisationen, das Engagement im ökologischen Bereich ist für uns sehr wichtig. Der Mobilität kommt dabei ein besonderer Stellenwert zu, dabei geht es für mich darum, wie nachhaltige, klimaneutrale Mobilität für alle zugänglich gemacht werden kann. Ich habe auch eine besondere persönliche Nähe zu diesem Thema, weil eine meiner ersten beruflichen Stationen in der Mobilitätsforschung war. Eddi Bike ist dabei einfach ein sehr schönes Beispiel, wie man es richtig machen kann.

US: Social Banking wird zumeist mit Sozial- und Dienstleistungsbereich assoziiert?

Wir definieren Impact, im Kern gesellschaftlich. Das kann auf der einen Seite sozial sein, wie auch ökologisch, da jede ökologische Entwicklung untrennbar auch eine sozioökonomische Komponente hat. Daher ist das für uns auch in der Betreuung ein absoluter Schwerpunkt.

US: Hängt die Höhe des angefragten Finanzierungsbedarfs von der Branche ab?

An der Branche kann ich es zumindest bisher nicht festmachen. Es geht oft um Überbrückungskredite, zum Beispiel bis Förderungen hereinkommen, Betriebsmittelkredite aber auch Investitionsfinanzierungen. Die Finanzierungen, die wir anbieten, liegen im Schnitt zwischen 50.000€ und 300.000€. Grundsätzlich sind alle willkommen, sofern sie unseren und den Impact-Kriterien unserer europäischen Partner*innen entsprechen. Vorrangig geht es dabei um das Erzielen einer messbaren, positiven sozialen Wirkung für die Gesellschaft, anstatt um Gewinn für Eigentümer, Mitglieder und Anteilseigner. Es gibt keine zu kleinen oder zu großen Projekte, wir bieten eine sehr breite Informationspalette für Social Entrepreneurs an.

US: Wie würden Sie die Besonderheiten von Social Banking beschreiben?

Ziel des Social Banking ist es, mit Bankdienstleistungen „Hilfe zur Selbsthilfe“ zu bieten und dort ein Angebot zu schaffen, wo es sonst vielleicht keines gibt. Wir arbeiten vor allem gemeinsam mit gemeinnützigen Organisationen und Social Entrepreneurs. Voraussetzung ist dabei ein Impact-Fokus. Wenn dieser klar nachvollziehbar ist können wir mithilfe unserer Partner*innen in der Europäischen Union auch Finanzierungen z. B. ohne dingliche Sicherheiten anbieten. Wir selbst sind dabei natürlich und aus großer Überzeugung echte Bankpartnerin, das heißt auch, dass wir grundsätzlich kostendeckend agieren.

US: Wie können sich philanthropisch engagierte Personen engagieren?

Philanthropie hat für Social Banking und Social Entrepreneurs einen riesigen Wert und wir sind sehr gerne deren Partnerin. In Österreich gibt es noch großes Potential. Stiftungen können vor allem, aber nicht nur, im frühphasigen Bereich von Gründungen sehr hilfreich sein, das gilt für Vereine, aber auch für Unternehmen im sozialen und ökologischen Bereich. Dort sind Bankfinanzierungen nicht immer passend. Stiftungen hätten große Möglichkeiten, sich dabei einzubringen. Wenn man bereit ist, ein aktiver Part zu sein, findet man beispielsweise im Impact Hub in Wien auch die Counterparts, dort kommen neben den Social Entrepreneurs auch Investor*innen, Philanthrop*innen aber auch Banker zusammen.

US: Sie haben erzählt, dass Sie Projekte am liebsten gemeinsam mit Partner*innen machen, wie finden sich die Projektpartner*innen im Bereich Social Banking?

Investitionspartner*innen müssen sich die Gründer*innen selber finden. Wir sind aber im regen Austausch mit Stiftungen und Institutionen, wenn es um die Entwicklung neuer Produkte geht. Zuletzt wurde ein Produkt für das Social Banking gemeinsam mit der erste Stiftung entwickelt - , ein eigenkapitalähnliches Produkt zur Wachstumsfinanzierung. Es ist ein gutes Beispiel, wie Stiftung und Bankexpert*innen zusammenwirken können, um etwas Neues zu kreieren. Auch bei der Initiative der Mikrokredite war zu Beginn die Philanthropie ein wichtiger Partner, der die Garantien gestellt hat.

 

Investor*innen und Gründer*innen müssen sich natürlich selber finden. Wir sind aber im regen Austausch mit Stiftungen und Institutionen, wenn es um die Entwicklung neuer Angebote geht. Zuletzt ist ein Angebot für das Social Banking aus einer Kooperation gemeinsam mit der Erste Stiftung sowie dem EIF hervorgegangen – Quasi Equity, ein eigenkapitalähnliches Produkt zur Wachstumsfinanzierung. Es ist ein gutes Beispiel, wie Stiftung und Finanzexpert*innen zusammenwirken können, um etwas Neues zu kreieren. Auch bei unserer Mikrokreditinitiative war zu Beginn die Philanthropie eine wichtige Partnerin, die Garantien gestellt hat.

US: Eine abschließende Frage, was hat Sie am meisten im Rahmen Ihrer beruflichen Aktivitäten beeindruckt?

Was mich wirklich packt, ist das unglaubliche Engagement, mit dem Social Entrepreneure an den Start gehen. Ich bewundere den Mut und die Ausdauer, eigene Ideen zu verfolgen und gesellschaftlichen Nutzen zu stiften.

Lesen Sie das gesamte Interview mit Carmencita Nader


Wir bedanken uns herzlich bei der Erste Bank, die den Themenreigen "Nachhaltige Mobilität" ermöglicht hat!

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